Einführung
Lavaria, Cabeço do Pião, Portugal. Copyright © Pedro Mendonça, 2016
Ruinen sind schon immer Bestandteil des gemeinschaftlichen Lebens und haben mit der Zeit verschiedene Symboliken entwickelt. Die Gebäude und verlassenen Industrieanlagen dominieren ihre Umgebung und prägen das Gesicht vieler europäischer Städte. Oftmals werden diese Orte sich selbst überlassen und dem Verfall preisgegeben – Kulturerbe das verloren geht. Diese Anlagen sind eine Herausforderung für uns, wenn es darum geht, sie wieder mit neuem Leben zu füllen. Wir erleben derzeit eine Erholung des städtischen und post-industriellen Raumes, daher ist es wichtig, Bedeutung und Identität dieser Orte für zukünftige Generationen zu bewahren.
Das Verlassen eines Gebäudes ist Teil des nachindustriellen Zeitalters: Die Maschinen verschwinden. Sie werden exportiert, auseinandergenommen, gestohlen, die teuren Bestandteile aus Kupfer oder Eisen als Schrott verkauft. All das beschleunigt den Verfall und sorgt für weitere Ruinen. Was aber können wir mit diesen Industrieruinen machen? Ruin und Verfall bergen eine gewisse tragische Romantik in sich. Eine Romantik, die Fotografen gerne einfangen und die Immobilieninvestoren gerne Versprechen auf Revitalisierung entlockt. Es wird heute aber auch zusehends versucht, die ehemaligen Industrieanlagen zu bewahren, in dem solche Maßnahmen mehr Rücksicht auf die Geschichte und ihren Kontext genommen wird und indem vor allem mehr Zurückhaltung als in früheren Zeiten geübt wird.
Jemand fragt: „Warum soweit reisen, um zerstörte Dinge zu sehen?“ Es ist eine Frage der Perspektive. Sich Stücke aus Metall, Beton oder Zement anzuschauen bedeutet auch sich mit Verfall und Vernachlässigung zu beschäftigen. Man kann die Geschichte von einst großen Firmen und die damit verbundenen Leben entdecken. Man kann sich die Menschen vorstellen, wie sie ihren Alltag an diesem Ort verbracht haben, als er noch ein Ganzes war, als es noch keinen Rost, keine Löcher und keine Risse gab. Es gibt soviel Schönheit in einer Ruine. Eine Geschichte im Freien. Es gibt einen wachsenden Trend, eine neue Form von Tourismus, die mit Fotografie verbunden wird. Es ist eine alternative Form der Erholung von Industriekultur als ästhetisches Element in der Kulturlandschaft: der Ruinentourismus.
Aufgabe
Robinson Factory, Portalegre, Portugal. Copyright © Pedro Mendonça, 2016
Fabriken, Ruinen und industrielle Überbleibsel bieten eine intensive räumliche und materielle Erfahrung für ihre Besucher. Orte und postindustrielle Ruinen sind ein Wiederhall von Geschichten und Figurationen, von dem wir glauben, dass sie es wert ist, gehört zu werden. Lasst uns bestimmte Orte in Ruinen und ihre Bilder betrachten.
Die Übung schlägt eine Analyse der Poesie der Ruinen vor. Sie soll sich mit der Frage nach dem Verlauf der Zeit, sei er urban, menschlich oder geologisch, beschäftigen.
Die Anlagen sofern noch genutzt (als Wohnungen oder für andere Zwecke) haben eine wichtige Symbolik: Sie repräsentieren das Leben.
Ein Haus symbolisiert das Leben seiner Bewohner, eine Fabrik die Arbeit und Betriebsamkeit die sie entwickelt. Das Verlassen nimmt uns mit in die Vergangenheit, zu Vergänglichkeit und Tod. Es ist die Absicht, dass die Fotos die Antithese zu dem sind, was den Ort ausmachte, was in ihm und außerhalb von ihm stattfand. Es sind Orte die das Leben verlassen hat – tote Orte, aber solche, an denen wir Nostalgie und Schönheit finden. Und wo es Schönheit gibt, gibt es ein fotografisches Potential.
Lass uns die Ruine als ästhetisches Element ansehen ... wir frieren mit unseren Fotografien die Zeit ein.
Prozess
Cabeço do Pião, Portugal. Copyright © Diamantino Gonçalves
Die Ruine ist die unerbittliche Natur der Zeit, der Verfall, der unvermeidliche Tod. Die Ruine ist ein romantisches Gedicht aus Metall und Stein, Zement und Glas, Leben und vergangenen Erfahrungen.
Verschlusszeit, Blende, ISO: früher musste man seine Ausrüstung im Griff haben, um gute Bilder zu machen. Heutzutage, mit dem Aufkommen von Fotobearbeitungsprogrammen auf Smartphones können wir alle Fotografen sein. Die Qualität der Fotos eines Smartphones ist vergleichbar mit der einer Kamera.
Schritt 1:
Einzeln oder in Gruppen könnt ihr die folgenden Links nutzen und selber Recherchen im Internet anstellen, um euch mit einigen Schlagworten dieser EchoesQuest vertraut zu machen.
Schritt 2:
Wir untersuchen und beschäftigen uns mit einigen Grundprinzipen der Fotografie und der Fotografie in Industrieruinen. Trotz der Vereinfachung der Technik sollten wir uns ein wenig mit den Funktionsweisen einer Kamera und der Bildkomposition auseinandersetzen, um ausgewogene und interessante Foto zu machen.
Schritt 3:
Nachdem ihr euch einige Filme und Artikel über Fotografie und Bildkomposition angeschaut habt, machen wir einen Ausflug in die Lavaria in Cabeço do Pião, wo wir mit unseren Kameras und Smartphones die Orte suchen, die es Wert sind, als Bild verewigt zu werden.
Schritt 4:
Nachdem ihr die gemachten Fotos selektiert habt könnt ihr nun die Ergebnisse präsentieren. Entweder Digital mittels einer der vielen Fotoplattformen um eine interessante Präsentation vorzubereiten oder Analog als Fotoausstellung.
Learning Outcomes
- Forschungsfertigkeiten entwickeln
- Das eigene Wissen & die eigne Leistungsfähigkeit wurde gesteigert
- Entwicklung von Kommunikations- und Teamfähigkeiten
- Verstehen, was es heißt im Team zu arbeiten
- Die Konzepte der Fotografie verstehen
- Wissen, wie Ergebnisse als Teammitglieder präsentiert werden
- Wissen, wie man das Internet für eine Recherche nutzt
- Wissen, wie man Bilder nach einfachen fotografischen Prinzipien macht
- Wissen, wie man eine analoge/digitale Fotoausstellung macht
- Recherche, Analyse, Evaluation und Präsentation
- Teamfähigkeit
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Objekt
Abschluss

Nachhaltig sind Handlungen und Maßnahmen, welche die heutigen Bedürfnisse befriedigen, ohne dabei die Ressourcen für künftige Generationen zu verschwenden. Kurzum, es geht um Langfristigkeit. Tourismus ist direkt davon abhängig, ob die Umwelt intakt ist. Wenn wir über nachhaltigen Tourismus reden, müssen wir auch sozio-kulturelle und ökonomische Aspekte berücksichtigen. Oftmals wird nur an Umweltfragen gedacht ohne dabei an die anderen beiden Säulen zu denken, die es für Nachhaltigkeit braucht.
Tourismus als nachhaltige Wirtschaft fördert das Gemeinwohl und soziale Gerechtigkeit. Dafür benötigt es unter anderem Veröffentlichungen und eine gute Vermarktungsstrategie. Soziokulturelle Aktivitäten sollten sich nach den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung richten. Sie respektiert diese und mischt sich nicht in deren Werte und Traditionen ein. Damit wird ein positiver Austausch zwischen Bevölkerung und Touristen gesichert.
Nach dieser EchoesQuest wird der Auszubildende, wenn er als Tourist oder Fotograf unterwegs ist, neue Formen der Revitalisierung von Industrieruinen kennen: als ästhetische Ruinen, die mit der lokalen Bevölkerung im Austausch stehen und mit Bildern und Erinnerungen gefüllt sind.


