Einführung
JA oder NEIN. Copyright Martin Rhomberg
Populäre Geschichtsfernsehsendungen nutzen oft Interviews mit Zeitzeugen. Biografien von Berühmtheiten und Unbekannten führen oft die Bestseller-Listen an. In den Nachrichten, gehören Interviews zur Tagesordnung. Universitäten halten Seminare zu Oral-History Forschung; Archive, Bibliotheken und Museen führen immer mehr Interviewprojekte durch. Es gibt da etwas, das uns berührt, wenn andere Menschen ihre Geschichten erzählen.
Im breiten Feld der Berufsbildung finden sich viele Möglichkeiten, um die unmittelbare Erfahrung von Menschen als Bereicherung einer Unterrichtseinheit zu nutzen. In dieser Einheit wird klar dargestellt, wie so ein Projekt oder Lerneinheit geplant, umgesetzt und präsentiert werden kann.
Bei der Interaktion von Menschen ist die Durchführung von Interviews eine gute Möglichkeit, den Kursteilnehmern, Schülern und Studenten zu zeigen, dass sie nicht alles in Büchern oder im Internet finden. Viel Information was praktische Dinge, Handwerk oder auch die allgemeine Vergangenheit anbelangt, geht auf Lebenserfahrung zurück und kann nur in den Köpfen der Menschen gefunden werden.
Die Kursteilnehmer oder Auszubildenden sammeln selbst aktiv Wissen, bewerten, fassen zusammen und präsentieren es.
Oftmals ist es nicht nur das Thema alleine, sondern auch die Methodik dahinter spannend. Ich erinnere mich an ein eindrucksvolles Seminar mit Krankenschwestern. Alle von ihnen arbeiteten in der Altenpflege und waren äußerst Interessiert, zu lernen, wie Gespräche mit Älteren Menschen und deren persönlicher Geschichte geführt werden. Ihrer Erfahrung nach half es Neuankömmlingen sehr dabei sich zu entspannen, wenn man sie ihre eigene Lebensgeschichte erzählen ließ. Es gab ihnen Sicherheit und zeigte, dass man sich für sie interessierte.
Autor: Mag. Werner Matt, Stadtarchiv Dornbirn, Marktplatz 11, A-6850 Dornbirn, Österreich
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , Homepage: http://stadtarchiv.dornbirn.at
Aufgabe
Plane nicht. Copyright Martin Rhomberg
Die Aufgabe besteht darin, ein Oral-History Projekt zu planen und zu präsentieren.
Bereite ein Referat vor, um die Arbeit des Teams zu präsentieren.
Beim Referat sollten folgende Themen abgedeckt sein:
- Formuliere ein Projektthema
- Definiere die Zielgruppe
- Welche Fragen sollten gestellt werden?
- Welche Ausrüstung ist dafür notwendig?
- Wer sind mögliche Partner und was ist deren Beitrag?
- Wie werden die Interviews präsentiert?
- Was passiert mit den Interviews nach der Präsentation?
Prozess
Vereinbare keine Termine. Copyright Martin Rhomberg
Für die Aufgabe solltet ihr Dreier- oder Viergruppen bilden.
1. Bevor ihr anfangt, könnt ihr eine Runde spielen! Rollenspiele sind eine gute Lernmethode für Anfänger. Nehmt sowohl die Rolle des Interviewers als auch die des Interviewten ein – wie fühlt es sich an? Führt ein kurzes Interview zum Thema: Teenager sein.
- Wie war die Begrüßung?
- Hat sich jeder wohlgefühlt?
- Wurde das Projekt genügend erklärt?
- Gab es Informationen darüber, was mit den Daten passiert?
2. Beginnt mit der Projektplanung:
a. Formuliert das Projektthema so einfach und einprägsam wie möglich, so als ob ihr eine Überschrift für einen Zeitungsbericht schreiben müsstet.
b. Konzept, Projektbeschreibung, Meilensteinliste, Terminliste, Drehbuch... – viele Bezeichnungen für den weiteren Ablauf und die Aufgabenverteilung innerhalb des Projekts. Aber bereits während der Planungsphase wisst ihr, ob die Interviews bei einer Ausstellung an einem Tag der Offenen Tür oder in der Lokalzeitung als Artikelserie erscheinen sollen. Das Endergebnis beeinflusst die Herangehensweise!
c. Die wichtigsten Fragen lauten: Was ist unser Ziel? Wie wollen wir es erreichen? Wer macht was wann?
d. Definiere passende Interviewpartner. Sind Familienmitglieder erwünscht, möchten wir nur unbekannte Menschen auswählen oder soll es eine Mischung aus beidem sein? Je kleiner die Zielgruppe, je spezieller das Thema, desto schwieriger wird es, passende Interviewpartner zu finden. Zögert nicht, geeignete Stellen und Institutionen zu kontaktieren, um mit dieser Herausforderung fertig zu werden. Ihr könnt auch kleine Anzeigen schalten. Oft können solche Stellen, innerhalb ihres Arbeitsfeldes, geeignete Interviewpartner vermitteln. Du kannst auch bei Organisationen oder Vereinen anfragen die mit der Zielgruppe arbeiten oder ein Freizeitangebot für sie bieten.
e. Wie Alt oder Jung sind sie? Passen Interview, Thema und Methodik zu Alter, Gesundheit, Religion oder Sozialer Zugehörigkeit?
f. Welche Interviewtechnik möchtet ihr nutzen? Es gibt Interviews die aus nur drei Fragen bestehen, es gibt Leitfadeninterviews, Interviews die sich auf ein einzelnes Thema beschränken, Interviews zur persönlichen Geschichte... Die Wahl der Methode hängt vom Thema ab, wer in der Arbeitsgruppe dabei ist und davon, was das gewünschte Ziel ist. Je beredter der Interviewende ist, desto offener kann der gewählte Interviewstil sein. Falls die Auszubildenden, Schüler oder Studenten aber mehr Hilfestellung brauchen, sollte ein Fragebogen vorgegeben werden. Das verleiht dem Interview mehr Struktur und erlaubt es dem Interviewer sich über die nächste Frage, statt über die gegebene Antwort, Gedanken zu machen.
g. Wie soll das Interview aufgezeichnet werden? Manche machen Notizen während des Interviews und können es im Nachhinein aus dem Gedächtnis rekonstruieren. Ihr könnt die Fragen und Antworten in geschriebener Form an die Interviewten schicken, zum Beispiel falls die räumliche Distanz zu groß ist. Oft ist es aber am einfachsten, das Interview mit einem Aufnahmegerät aufzuzeichnen. Der technologische Fortschritt bei diesen Geräten war in den letzten Jahren erstaunlich. Viele der digitalen Geräte die wir im Alltag nutzen – z.B. Handys -, haben eine Rekorderfunktion. Manche können auch Videos machen, sodass es möglich ist Bild und Ton vom Interview aufzuzeichnen.
3. Erstellt eine Präsentation, die diese Fragen behandelt und stellt sie vor.
Learning Outcomes
- Arbeiten im Team.
- Alle Themen die in dieser Einheit aufgelistet sind, zu behandeln.
- Die passende Aufnahmetechnik zum Interviewstil wählen.
- Das eigene Verhalten an die Zielgruppe, Situation und Körpersprache der Interviewten anzupassen.
- Jede Frage sicher zu beantworten.
- Basiswissen über die notwendigen Schritte für die Erstellung einer Präsentation.
- Grundlagenwissen über Regeln und Konzepte der Teamarbeit.
- Grundlagenwissen über Kommunikationskonzepte, inklusive aktivem Zuhören und Körpersprache.
- Grundlagenwissen über das Konzept der Oral-History.
- Grundlagenwissen, wie man Gespräche führt und welche Interviewstile es gibt.
- Grundlagenwissen über Rollenspieltechniken.
- Passende Interviewpartner zu definieren.
- Interviewstil und Ausrüstung passend dem gewünschten Endergebnis zu wählen (Ausstellung oder Zeitungsartikel).
- Die notwendigen Schritte für die Erstellung einer Präsentation zu machen.
- In einer Kleingruppe eine zugeteilte Aufgabe erledigen.

